Gesundheit

Kurzhaarcollies Maja und Biene

Maja 5 Jahre alt, Biene 14 Monate alt

Zur Gesundheit

Glücklicherweise ist der Collie noch immer eine sehr gesunde Rasse. Trotzdem gibt es, wie bei allen Rassen, gesundheitliche Aspekte, mit denen wir Züchter uns auseinandersetzen müssen.

Immer wieder, besonders, nachdem ich beim Spaziergang mal wieder mit einer betroffenen Hundehalterin gesprochen habe, bin ich sehr froh, dass HD beim Kurzhaarcollie keine Rolle spielt. Und das kann man wirklich so sagen. Diese Grafik beweist es. Damit das so bleibt, sind wir aber nach wie vor froh, wenn Hundebesitzer ihre Hunde nicht nur röntgen lassen, sondern sie auch von einem der VDH-Clubs auswerten lassen. Das garantiert eine andere Objektivität, als wenn es nur der “Tierarzt um die Ecke” feststellt.

Eine Krankheit, die sogar den Namen des Collies bekommen hat, ist CEA: Collie Eye Anomaly, eine angeborene krankhafte Veränderung des Augenhintergrundes. Nach wie vor sind viele Hunde betroffen, besonders auch die aus den USA. Glücklicherweise ist CEA eine Augenkrankheit, die in ihrer verbreiteten schwachen Ausprägung (CRD oder CRH genannt) den Hund in keinster Weise behindert. Ja, es ist oftmals so schwach ausgeprägt, dass es beim erwachsenen Hund nicht einmal mehr diagnostiziert werden kann und der Hund dann zum sog. “Go Normal” erklärt wird. Diese Hunde sind und bleiben aber genetisch betroffen (und können es entsprechend vererben), man kann es nur nicht mehr feststellen. Das ist der Grund, dass uns Züchtern empfohlen wird, die Welpen im Zeitfenster zwischen 6 und 7 Wochen von einem darauf spezialisierten DOK-Tierarzt untersuchen zu lassen. Nur dann ist das Pigment noch so schwach ausgebildet, dass man einen betroffenen Hund erkennen kann.

Wie schon gesagt, ist die sehr leichte Ausprägung bei den betroffenen Hunden häufig, die stärkere findet man GsD nur sehr, sehr selten. Im Gegensatz zur Augenkrankheit PRA ist CEA nicht progressiv, verschlimmert sich also im Laufe eines Hundelebens nicht weiter. Ein leichter Befund hat somit für einen betroffenen Hund keinerlei Auswirkungen – von der Eignung als Zuchthund einmal abgesehen. Denn für Hunde, die mit CRD in der Zucht sind, sollte man einen genetisch freien Partner finden. Dies ist möglich, da es seit 2004 CEA-Gentests gibt. Und erst seit diesem Zeitpunkt, kann man Träger und genetisch freie Hunde überhaupt voneinander unterscheiden…. So weiß ich, dass Maja ein CEA-Träger ist, Belle und Biene sind genetisch frei, werden also sogar mit einem betroffenen Rüden klinisch freie Welpen haben.

Ebenfalls erst seit 2004 steht der Gentest auf die Medikamentenunverträglichkeit MDR1 zur Verfügung. Leider ist keine Rasse so betroffen wie der Collie. Urheber dieses Defektes ist wahrscheinlich ein einziger Hund, der etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt hat und wohl an der Entstehung der Rasse “Collie” maßgeblich mitbeteiligt war. Erst seit etwa 20 Jahren sind zunehmend Medikamente in Gebrauch, auf die betroffene Hunde unter extremen Umständen tödlich reagieren. Seither sind die Tierärzte gefordert, bei Collies bestimmte Medikamente zu vermeiden.

Deutschlands Züchter sind nach wie vor Vorreiter in Sachen Gentest. Alle Zuchthunde müssen getestet sein, Einschränkungen, die den MDR1-Status berücksichtigen gibt es bei der Zucht jedoch (noch) keine. Anders sieht das leider im Ausland aus. MDR1 ist meist kein Thema und so sind die Rüden, die für die Zucht zur Verfügung stehen, oft nicht getestet. Das macht die Suche nach geeigneten Rüden nach wie vor schwierig.

Das Thema wird im Internet immer noch sehr kontrovers diskutiert. Von den zahlreichen Links will ich hier zusätzlich zu dem obigen nur noch zwei auflisten, den der Universität Gießen und die offizielle Seite der Britischen Hütehunde.

DM, Degenerative Myelopathie, ist erst seit kurzem ins Rampenlicht geraten. Betroffen sind vor allem alte Hunde, bei denen dann Lähmungserscheinungen auftreten. Es gibt inzwischen einen Gentest, der einen Hauptrisikofaktor anzeigt. Genetisch betroffene Hunde müssen nicht zwingend erkranken, doch es besteht eine deutlich erhöhte Gefahr. Hier findet man eine Collieseite, die der DM-Erkrankung gewidmet ist und hier einen sehr persönlichen Betroffenheitsbericht.

Im Gegensatz zur CEA stellt die erbliche PRA eine sehr viel größere Gefahr dar, da betroffene Hunde blind werden. Eine Welpenuntersuchung gibt nur eine Rückmeldung über den momentanen Stand, ist also wenig aussagekräftig. Bei gefährdeten Rassen, für die es noch keinen Gentest gibt, sind deshalb jährliche Untersuchungen für die Zuchthunde vorgeschrieben. PRA ist bei den europäischen Collies sehr selten, bei den Amerikanern jedoch nicht.

Da es aber für den Collie einen Gentest gibt, kann man damit umgehen. So wählte ich für meinen E-Wurf einen Rüden aus, der PRA-Träger ist. Da Maja genetisch frei ist, werden auch alle Welpen klinisch frei sein. Statistisch sind jedoch wieder 50% Träger dabei, so dass Hunde aus solchen Würfen, die in die Zucht gehen, wieder genetisch getestet werden müssen. Dieser Aufwand ist meiner Meinung nach ein Preis, den man für die genetische Vielfalt bereit sein muss zu zahlen….

Insgesamt kann man jedoch sagen, dass der Kurzhaarcollie noch eine sehr gesunde Rasse ist. Das Risiko für vererbte, die Lebensqualität einschränkende Krankheiten ist gering. Der Züchter wird sein Möglichstes tun um einen gesunden Wurf in der Wurfkiste zu haben. Dennoch sind Hunde Lebewesen und man kann nur hoffen, dass die eigene Planung richtig war und der Zufall der Genetik es gut mit uns meint….

Faszination Genetik

Zu enge Linienzucht 8-O???

Tesla, Foto: Regina Lahmann

Immer wieder wird mir gesagt, dass man auf der Suche nach einem “nicht-überzüchteten” Hund beim Kurzhaarcollie gelandet sei. Für mich ist der Begriff der “überzüchteten Rasse” erst einmal definierbedürftig.

Meint man damit eine Rasse, deren Problem Übertypisierung ist? Ich denke da an “immer kleiner, größer, rundköpfiger, immer mehr Fell, größere Augen, längere Ohren usw.”. Das ist wirklich nicht das Problem des Kurzhaarcollies. Sieht man alte Fotos und Zeichnungen, erkennt man noch immer die nahe Verwandtschaft zum heutigen Hund – was bei anderen Rassen manchmal kaum noch der Fall ist.

Ist jedoch ein kleiner Genpool und enge Linienzucht gemeint, muss man auch an den Kurzhaarcollie denken. Auf meiner Suche nach nicht-verwandten Hunden sehe ich überall dieselben Namen in den Ahnentafeln. Selbst wenn man bereit ist, zum Deckrüden weit zu fahren, wird es nicht wirklich einfacher.

Alle unsere Hunderassen sind durch enge und engste Linienzucht entstanden. Nur so konnten sich äußere Rassemerkmale und Arbeitseigenschaften so festigen, dass von einem relativ einheitlichen Rassebild gesprochen werden kann. Damals wurde allerdings streng selektiert und nur die vitalsten Welpen durften überleben. Auch mussten die Hunde durch ihre Arbeitsleistungen überzeugen. Außerdem wichtig: die Zuchtbücher waren noch nicht geschlossen und neues Genmaterial konnte gelegentlich einfließen.

Heutzutage ist die Situation eine andere. Wir haben bei den meisten Rassen geschlossene Zuchtbücher, was einen sorgsamen Umgang mit dem begrenzten genetischen Potential einer Rasse unabdingbar macht.

Jeder Hund, ja jedes Lebewesen, hat Schadgene. Auch unsere Hunde und wir…. Glücklicherweise sind diese Schadgene oft rezessiv vorhanden, d.h., von zwei Allelen ist zwar eins betroffen, das gesunde aber ist dominant (wie z.B. bei MDR1, CEA, PRA und DM).

Bei starker Linienzucht bleibt es aber nicht aus, dass es zu Verdoppelungen kommt (ein Allel vom Vater, eins von der Mutter) und dadurch zu betroffenen Welpen. Zufällige Mutationen verfestigen sich. So erklärt sich auch, warum jede Hunderasse ihr eigenes genetisches “Päckchen” zu tragen hat.

Noch viel undurchschaubarer ist die polygene Vererbung, bei der verschiedene Gene an der Ausprägung eines Merkmals beteiligt sind (wie z.B. bei HD)….

Meine Schlussfolgerung ist daher, bei Verpaarungen auf eine möglichst breit gestreute Verwandtschaft zu achten. Der Ahnenverlustkoeffizient ist mir dabei ein wichtigerer Indikator als nur der Inzuchtkoeffizient. Ersterer zeigt an, wieviele Hunde durch Verdoppelung in einer Ahnentafel verloren gegangen sind. Unsere Datenbanken berechnen immer auf bis zu sechs Generationen. Gibt es keinerlei doppelte Ahnen, beträgt der AVK 100%. Meine selbstgesetzte Sollzahl beträgt 80%, was gar nicht so leicht zu erreichen ist. Bienes letzter Wurf hatte einen Inzuchtkoeffizienten von 0.38% und einem Ahnenverlustkoeffizient von 90.48% auf sechs Generationen.

Mit dem amerikanischen Genpool haben wir das Glück, seit Jahrzehnten getrennte Linien wieder einkreuzen zu können. Wir reden hier von sogenannten “Outcrosses”, die dem limitierten Genpool unserer Rasse mit Sicherheit gut tun werden….

Weiterführendes:

Ein Exkurs in die Genetik

Probleme mit der Inzucht
Bemerkung zum Inzuchtkoeffizienten

und zum Ahnenverlustkoeffizienten

Interessantes zur Vererbung

Hellmuth Wachtels “Geschichte vom Malzhund”, immer wieder hochaktuell und durchaus kurzweilig zu lesen

Wachtels Forderungen für eine gesunde Hundezucht

und eine ganze Website zu Problemen in der heutigen Hundezucht

Gesunde Hunde haben Freude am Leben und machen uns Freude (Emily 9 Jahre alt):

Kurzhaarcollie Emily